Bipolare Störungen

Der Begriff bipolare Störungen bezeichnet eine psychische Erkrankung, die sich durch manische, als auch depressive Phasen bemerkbar macht. Diese Phasen treten abwechselnd zu einer „normalen“ bzw. alltäglichen Grundstimmung auf. Früher sprach man von diesem Krankheitsbild auch als „manisch-depressiv“. In der manischen Phase sind Betroffene sehr aktiv und euphorisch, in der depressiven Phase sind die Betroffenen sehr niedergeschlagen und haben in besonders intensiven Phasen auch Suizidgedanken.

Welche Anzeichen haben bipolare Störungen?

Ein zentrales Anzeichen von bipolaren Störungen sind wiederholte manische und depressive Phasen. Manische Phasen zeichnen sich durch stark gehobene Stimmung bis hin zur Euphorie aus. Dies zeigt sich durch Hyperaktivität bzw. starkem Tatendrang, Risikoverhalten, reduzierte Hemmungen, vermindertes Schlafbedürfnis, gesteigerten Kommunikationsdrang, erhöhte Sprechgeschwindigkeit, Ablenkbarkeit, gesteigerte Libido und großes Selbstbewusstsein bis hin zum Größenwahn und Realitätsverlust. Vielen Angehörigen fällt besonders stark auf, dass die Betroffenen sich unangemessen und auffällig verhalten und überreizt bzw. in manchen Fällen auch gereizt aggressiv sind. Sind von diesen Anzeichen mindestens drei bis vier innerhalb einer Woche beobachtbar, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Betroffene unter einer manischen Episode leidet.

In der depressiven Phase zeigen sich bei den Betroffenen die typischen Anzeichen, wie Niedergeschlagenheit, gedrückte Stimmung, Interesselosigkeit, Antriebsminderung, Schuldgefühle, Schlafstörungen, Appetitstörungen bis hin zu Suizidgedanken.

Um bipolare Störungen zu diagnostizieren, müssen im Krankheitsverlauf mindestens zwei eindeutig voneinander abgrenzbare Episoden identifizierbar sein. Dies bedeutet, dass die Diagnose erst im Zeitverlauf gestellt werden kann und es besonders wichtig ist, die Stimmung der Betroffenen genau zu beobachten und zu protokollieren.


Therapie von bipolaren Störungen

Bei der Behandlung bipolarer Störungen muss man einerseits zwischen der Akutbehandlung der momentanen Anzeichen und der langfristigen Behandlung, der sogenannten Phasenprophylaxe, unterscheiden. Die Phasenprophylaxe hat das Ziel, das Auftreten von Episoden zu vermeiden bzw. zu reduzieren.

Da es sich bei bipolaren Störungen um ein sehr komplexes Krankheitsbild handelt, ist besonders die Analyse der Krankheitsgeschichte (Anamnese), die Beobachtung des Krankheitsverlaufs, als auch das Aufrechterhalten der therapeutischen Behandlung besonders wichtig. Hierbei ist es besonders entscheidend auftretende Phasen bereits früh zu erkennen und therapeutisch zu behandeln, um so den Alltag der Betroffenen möglichst gut aufrecht zu erhalten.

Bipolare Störungen werden meist medikamentös und parallel psychotherapeutisch behandelt. Sehr häufig kommen zusätzlich noch alternative Therapiemöglichkeiten zum Einsatz, wie Ergotherapie oder Fortbildungen im Bereich des Selbstmanagements.

Psychotherapie kommt bei bipolaren Störungen sowohl bei der Akutbehandlung, als auch bei der Episodenprophylaxe zum Einsatz, um das Auftreten neuer Episoden zu verhindern. Die Einnahme der Medikamente und die Vorbeugung von Rückfällen sind im Rahmen der Psychotherapie ein besonders wichtiges Thema. Durch den Episodenwechsel und die damit verbundene Veränderung der Stimmung des Betroffenen verändert sich auch die Therapietreue der Patienten. Viele brechen in manischen Phasen ihre Therapie ab bzw. erscheinen nur noch unregelmäßig. Dies ist ein sehr großes Risiko für das körperliche und psychische Wohlbefinden der Patienten. Ziel jeder Therapie ist es, den Alltag der Betroffenen so zu gestalten, dass ihre Therapie darin weiterhin den notwendigen Raum findet. Es ist hier besonders wichtig, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen der Patientin/dem Patienten und der Therapeutin/dem Therapeuten vorhanden ist. So gelingt es auch schwere oder kritischen Phasen im Krankheitsverlauf gemeinsam durchzustehen.


Was sind die Ursachen von bipolaren Störungen?

Die genauen Ursachen für die Entstehung von bipolaren Störungen sind noch nicht erforscht. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren die Entstehung von bipolaren Störungen beeinflussen können. Neben einer genetischen Veranlagung spielen auch Umwelteinflüsse, Drogenmissbrauch und bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, wie beispielsweise eine erhöhte Sensibilität, eine Rolle in der Entstehung von bipolaren Störungen.


Welche Folgen haben bipolare Störungen?

Bipolare Störungen sind durch eine hohe Rezidiv- bzw. Rückfallsrate gekennzeichnet. Der Verlauf der Erkrankung ist sehr individuell, wobei ein Großteil der Betroffenen einige wenige Phasen erleidet. Rund 10% der Patienten erleben jedoch mehr als 10 Episoden.

20% der Patienten leiden unter der besonders schwerwiegenden Form der bipolaren Störungen, dem sogenannten Rapid Cycling, bei dem es zu einem schnellen Wechsel der einzelnen Phasen kommt und die Betroffenen vier oder mehr Phasen pro Jahr durchlaufen.

Es ist daher nachvollziehbar, dass das es durch die Erkrankung im Leben der Betroffenen zu starken Beeinträchtigungen kommt, die sich auch wesentlich auf das Leben ihrer Angehörigen auswirken. Die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Betroffenen ist stark reduziert, ebenso wirkt sich die Krankheit auch massiv auf das Sozialleben der Betroffenen aus.


Wie häufig sind bipolare Störungen?

Bei bipolaren Störungen geht man von einer Lebenszeitprävalenz von rund 5 % aus. Das bedeutet, dass rund 5 % der Bevölkerung einmal in ihrem Leben an einer bipolaren Störung leiden werden. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge leiden rund 60 Millionen Menschen weltweit an bipolaren Störungen.


Wer ist besonders häufig von bipolaren Störungen betroffen?
In den meisten Fällen treten bipolare Störungen erstmals im jungen Erwachsenenalter auf, sprich meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen, wobei Frauen besonders oft vom sogenannten Rapid Cycling - dem besonders häufigen Wechsel der Phasen – betroffen sind.


Was kann ich selbst tun?

Suchen Sie therapeutischen Unterstützung: Sollten Sie bei sich oder einer Person in ihrem Umfeld die Anzeichen einer bipolaren Störung über einen längeren Zeitraum feststellen, so suchen Sie bitte unverzüglich professionelle, therapeutische Hilfe.

Alkohol und Medikamente meiden: Viele Betroffenen therapieren sich besonders beim Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen mittels Alkohol, Drogen und Medikamenten selbst. Nehmen Sie keine Medikamente ein, die Ihnen nicht persönlich von Ihrem Arzt verschrieben wurden! Alkohol, Medikamente und Drogen können der Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen und depressive Phasen verstärken. Suchen Sie Rat bei einer Ärtin/einem Arzt bzw. bei einer TherapeutIn/einem Therapeuten.

Hilfe zur Selbsthilfe: Viele Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen bieten Betroffenen und Angehörigen Rat und Austausch. Gemeinsam lassen sich auch Anzeichen für einen möglichen Rückfall besonders rasch erkennen.

Führen Sie einen Stimmungskalender: Beobachten Sie Ihre Stimmung und Befindlichkeit genau und machen Sie Notizen. So können Sie mögliche Veränderungen und Stimmungsschwankungen möglichst früh erkennen und auch Ihrer behandelnden Therapeutin/Ihrem behandelnden Therapeuten Einblick in Ihre Befindlichkeit geben. Dies ermöglicht es ihm auch die Therapie möglichst rasch anzupassen.

Quellen

  • DGBS & DGPPN: S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen: http://www.leitlinie-bipolar.de/wp-content/uploads/2016/07/S3_Leitlinie-Bipolar_V1_8.pdf (Zugriff Juni 2018)
  • Mahlknecht, Peter - Bipolare Störungen – Erkrankungen: https://www.donau-uni.ac.at/imperia/md/content/department/evidenzbasierte_medizin/pressespiegel/2013_presse/mahlknecht_oktober.pdf (Zugriff Juni 2018)
  • Pro Mente Vorarlberg – Bipolare Störungen: http://www.promente-v.at/information/downloads/folder-und-infomaterial/161222_FolderKrankheitsbilderHomepageBipolar.pdf (Zugriff Juni 2018)
  • WHO Factsheets on Mental Health: http://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/mental-disorders (Zugriff Juni 2018)
Über die AutorIn
Caroline Korneli

Redakteurin