Allgemeine Krisen und persönliche Probleme

Todesfälle, Trennungen, Krankheiten, Verluste: Jeder Mensch erlebt im Laufe des Lebens eine persönliche Krise. Genauso wie der Auslöser einer Krise ist auch der Umgang mit der Krisensituation an sich etwas höchst Persönliches und Individuelles.

Was ist eine Krise?

Bei einer Krise handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um das Auftreten einer Situation die für den Betroffenen alleine schwer oder nicht zu bewältigen ist. Die Krise kann sowohl plötzlich und unerwartet auftreten, als sich auch durch das Häufen von schwierigen Situationen über einen gewissen Zeitverlauf anbahnen. Bei den Betroffenen löst die Krise Ärger, Wut, Angst, Bedrohung, Mutlosigkeit oder Hilflosigkeit aus und im schlimmsten Fall akute Hoffnungslosigkeit bis hin zu Suizidgedanken.

Eine Krise kann entweder gut gelöst und bewältigt werden oder in manchen Fällen auch zu einem Risiko für das psychische und körperliche Wohlbefinden des Betroffenen werden. In jedem Fall ist es ratsam sich in Krisensituationen Unterstützung zu suchen. Das muss nicht immer notwendigerweise sofort eine TherapeutIn/ein Therapeut oder eine Ärztin/ein Arzt sein, sondern kann auch ein guter Freund oder Vertrauter sein.

 

Wie erkenne ich eine Krise?

Traumatisierende Ereignisse wie Erkrankungen und Todesfälle werden in den meisten Fällen vom Umfeld rasch wahrgenommen und die Betroffenen in der Bewältigung aktiv unterstützt. Krisen, die sich langsam anbahnen und zuspitzen, wie beispielsweise finanzielle Sorgen oder eine schwierige Beziehung, sind oftmals nicht leicht zu erkennen. Weder für die Betroffenen selbst noch für ihr Umfeld. Die Betroffenen fühlen sich dann häufig nicht verstanden und von ihrem Umfeld allein gelassen, denn um Hilfe zu bitten fällt vielen Menschen schwer.

Die folgenden Anzeichen können auf eine Krise hindeuten:

 

  • Sozialer Rückzug und Isolation
  • Antriebslosigkeit und Desinteresse
  • Kommunikationsrückgang bzw. Ruhe und ruhiges Verhalten
  • Gereiztes, aggressives Verhalten
  • Stimmungsschwankungen und unerklärliche Verhaltensweisen
  • Angst, Wut

 

Jede Krise ist natürlich anders und so zeigen sich diese Anzeichen bei manchen Menschen recht rasch und deutlich, bei anderen wiederum kaum. Plötzlicher sozialer Rückzug und Isolation ist jedoch ein Anzeichen, das auffällt und dementsprechend angesprochen werden sollte.

 

Welche Auslöser für Krisen gibt es?

Krisen können durch eine Vielzahl von Faktoren, Situationen, Momente und Erlebnisse ausgelöst werden.

Grundsätzlich gibt es aber Auslöser, die besonders häufig zu Krisen führen können und die hier übersichtlich dargestellt werden:

Partnerschaften: Liebesbeziehungen und Partnerschaften können zu einer Vielzahl von schwierigen und scheinbar unlösbaren Situationen führen. Trennungen, Enttäuschungen und Vertrauensbrüche sind belastende Erfahrungen, die nicht unter den Teppich gekehrt oder ignoriert werden sollten. Vielen Menschen fällt es schwer über das Erlebte zu sprechen, schließlich will man den Partner „nicht schlecht reden“. Es ist dennoch wichtig, über diese Erfahrungen und Emotionen zu sprechen. Bei Trennungen kommt es zum Verlust einer wichtigen Beziehung und Partnerschaft, die das Leben massiv beeinflusst. Hier benötigt es Zeit, um darüber hinweg zu kommen und sich neu zu orientieren zu trauern.

Familien und Freundschaften: In Familien und Freundschaften kann es auch zu Konflikten kommen, die sogar zu einem Kontaktabbruch führen können. Diese Erfahrung und die damit verbundenen Emotionen können ebenso eine persönliche Krise auslösen und müssen verarbeitet werden.

Arbeit und Beruf: Neben Jobverlust und Entlassung können Stress, Probleme am Arbeitsplatz und intensive Belastungen können zu einem Gefühl der Überforderung führen, das sich im Laufe der Zeit bis zu einem Burnout zuspitzen kann. Gerade bei beruflichen Krisen fehlt es den Betroffenen oft an Zeit, um sich dem Problem zu stellen oder sie scheuen davor zurück, die beruflichen Probleme ins Privatleben „mitzunehmen“. Aber auch eine ungesunde Arbeitsatmosphäre und schwierige Kollegenbeziehungen, wie zum Beispiel Mobbing, können Krisenauslöser sein.

Soziale Auslöser: Finanzielle Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit, Probleme in Ausbildung und Studium, Nachbarschaftskonflikte und vieles mehr können das für Krisen typische Gefühl der Hilflosigkeit erzeugen.

Krankheit: Selbst zu erkranken oder zu erfahren, dass eine geliebte Person erkrankt ist, kann sehr rasch zu Ängsten und Mutlosigkeit führen. Holen Sie sich in diesen Situationen bitte rasch therapeutische Hilfe, um über Ihre Gefühle und Gedanken offen zu sprechen.

Todesfälle: Der Verlust eines geliebten Menschen, guten Freundes, Kollegen, Nachbarn oder eines Haustieres kann emotional belastend sein. Vielen Menschen fällt es sehr schwer über den Tod zu sprechen, Trauer zuzulassen und den Verlust zu verarbeiten. Auch hier ist es ratsam, offen über seine Emotionen zu sprechen und sich Zeit zu nehmen, um die eigenen Gefühle zu verarbeiten.

 

Psychotherapie bei Krisen


Das Ziel der Psychotherapie in einer Krise ist es, möglichst schnell eine emotionale Stabilisierung des Betroffenen zu erreichen. Hier gilt es den Betroffenen möglichst rasch und umfassend zu unterstützen und zu verdeutlichen, dass die Therapie dazu da ist, um ihm bzw. ihr bestmöglich zu helfen. Schon das erste Gespräch hilft dabei, emotionale Belastungen loszuwerden. In weiterer Folge werden gemeinsam mit der TherapeutIn/dem Therapeuten die nächsten Schritte und der optimale Ablauf der Therapie besprochen. In den darauffolgenden Sitzungen wird meist auch besprochen, welche Prozesse zum Entstehen der Krise geführt haben bzw. welche Faktoren der Auslöser waren. Gemeinsam mit der PsychotherapeutIn/dem Psychotherapeuten werden Strategien entwickelt, die es dem Betroffenen künftig erleichtern mit belastenden Situationen umzugehen.

Was kann ich selbst tun?

Die folgenden Tipps können Ihnen in Krisensituationen helfen,

  • Reden, reden, reden: Sollten Sie selbst an sich selbst die ersten Anzeichen einer Krise entdecken, so hilft es in jedem Fall darüber zu sprechen. Reden Sie über Ihre Gefühle, Ihre Ängste und Sorgen. Das vermindert den Druck in Ihrem Inneren. Sie sind nicht alleine!

 

  • Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie nicht mehr weiterwissen. Eine Therapie ist nichts, wofür man sich schämen muss. Ganz im Gegenteil: Sich professionelle Hilfe zu suchen, wenn Sie nicht weiterwissen, ist sogar die vernünftigste Entscheidung, die sie treffen können. Holen Sie sich Rat bei einer PsychotherapeutIn/einem Psychotherapeuten - sie/er ist Expertin/Experte auf diesem Gebiet und kann Sie auf Ihrem Weg zur Besserung begleiten.

 

  • Achten Sie auf sich. Gerade in Krisensituationen ist es schwer zu wissen, was man nun tun soll. Auf sich selbst zu achten ist für die meisten Menschen in einer Krise keine Priorität, dabei ist es gerade dann unglaublich wichtig. Gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und körperliche Bewegung sind essenziell für unseren Körper aber auch für das Wohlbefinden unserer Seele. Versuchen Sie auch in Zeiten der Krise darauf zu achten nährstoffreich und gesund zu essen, genügend zu schlafen und an die frische Luft zu gehen.

 

Was kann ich für andere tun?

Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen Menschen in Ihrem Umfeld in Krisensituationen beizustehen und sie zu unterstützen.

  • Ansprechen! Selbst bei guten Freunden oder Verwandten fällt es uns oftmals nicht leicht schwierige Situationen oder gar Krisen offen anzusprechen. Überwinden Sie sich, sprechen Sie die Person an und bieten Sie ihr Hilfe an. Fragen Sie einfach: „Wie geht es dir?“

 

  • Zuhören! Keiner erwartet von Ihnen für jede Situation eine passende Lösung parat zu haben oder die richtigen Worte zu finden. In einer Krisensituation ist dies auch nicht ratsam. Stellen Sie Fragen, hören Sie aktiv zu und lassen Sie die Person reden – so erfahren Sie nicht nur, wie es der Person geht, sondern Sie haben auch bereits geholfen: Denn vielfach reicht es schon, wenn man sich in einer Krisensituation ausspricht und merkt, dass man nicht alleine ist.

 

  • Holen Sie Hilfe! Viele Krisen können nicht alleine bewältigt werden. Holen Sie daher Hilfe oder suchen Sie nach Unterstützungsmöglichkeiten, wenn Sie merken, dass sich die Krise bei der betroffenen Person zuspitzt.

 

  • Achten Sie auch auf sich! Um andere in Krisensituationen zu unterstützen, ist es auch wichtig, dass es einem selbst gut geht. Achten Sie daher auch auf Ihre eigene emotionale Befindlichkeit und suchen auch Sie sich Unterstützung, wenn Ihnen die Situation zu viel wird. Nur so können Sie eine Stütze sein und bleiben!


Kontaktmöglichkeiten für Krisen und Notfälle

 

Quellen

  • Kriseninterventionszentrum: http://www.kriseninterventionszentrum.at/ (Abruf Juni 2018)
  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreich – So leisten Sie erste Hilfe für die Seele: https://www.gesundheit.gv.at/leben/psyche-seele/krisenintervention/erste-hilfe-psyche (Abruf Juni 2018)
  • Pro mente Oberösterreich – Erste Hilfe für die Seele – Wie erkenne ich eine Krise und was kann ich tun: https://www.pmooe.at/erste-hilfe/erste-hilfe-fuer-die-seele/wie-erkenne-ich-eine-krise-und-was-kann-ich-tun/ (Abruf Juni 2018)
  • Pro mente Oberösterreich – Erste Hilfe für die Seele- Was kann ich tun?: https://www.pmooe.at/erste-hilfe/erste-hilfe-fuer-die-seele/wie-kann-ich-helfen/ (Abruf Juni 2018)
  • Rat auf Draht: https://www.rataufdraht.at/ (Abruf Juni 2018)
Über die AutorIn
Caroline Korneli

Redakteurin