Dienstag, 17. Juli 2018

Welche Sprache spricht die Depression?

Eine neue Studie stellte vor Kurzem fest, dass Menschen mit Depressionen anders sprechen, als ihr Umfeld. Wörter wie „immer“, „nie“ oder „völlig“ tauchen in ihrem Wortschatz besonders häufig auf.

Welche Sprache spricht die Depression?

Eine neue Studie stellte vor Kurzem fest, dass Menschen mit Depressionen anders sprechen, als ihr Umfeld. Wörter wie „immer“, „nie“ oder „völlig“ tauchen in ihrem Wortschatz besonders häufig auf.


Eine neue Studie liefert spannende Ergebnisse

Absolute Formulierungen wie „immer“, „nie“ oder „völlig“ kommen bei Betroffenen von Depressionen besonders häufig vor. Dies zeigt eine Studie, die im Fachjournal Clinical Psychological Science veröffentlicht wurde und die sprachlichen Gewohnheiten von depressiven und psychisch „gesunden“ Menschen miteinander verglichen hat.
Im Zuge dieser Studie wurde mittels technischer Analyseverfahren der Inhalt von über 63 verschiedenen Internetforen miteinander verglichen. Analysiert wurden sowohl Foren zum Thema Depression oder Angst aber auch Mütter- und Frauenforen oder Foren zu Diabetes und Asthma, um sich die verwendete Sprache genauer anzusehen und sprachliche Besonderheiten zu entdecken. Es zeigte sich, dass in den Internetforen, in denen sich Menschen zum Thema Depression, Angststörungen oder Suizidalität austauschten, besonders häufig absolutistische Formulierungen auftauchten.

 

Depressiv formuliert?

Es geht nicht nur darum, was man sagt, sondern insbesondere auch darum, wie es formuliert wird. Dies konnte in der Studie eindeutig belegt werden. Menschen, die unter Depressionen leiden verwenden der Studie zufolge neben den absolutistischen Wörtern wie „immer“ oder „nie“ auch besonders oft Begriffe, die negative Emotionen zum Ausdruck bringen, wie „alleine“, „traurig“, „miserabel“. Auch eine Neigung zu „Ich“- Aussagen bzw. eine häufige Verwendung von „mein“, „mir“, „mich“ ist bei den Betroffenen festgestellt worden, was ein Zeichen für eine zunehmende Verengung oder eine soziale Isolierung sein kann.

 

Unsere Sprache – ein eindeutiges Zeichen?

Eine Diagnose ersetzt diese Analyse der Sprache natürlich nicht, aber es ist ein weiterer spannender Aspekt in der Erforschung von affektiven Störungen wie der Depression. Sprache beeinflusst die Art, wie wir die Welt sehen, das zeigt sich nicht zuletzt durch diese Studienergebnisse. Es ist daher ratsam, gut zuzuhören.
Wenn ein Gesprächspartner stark zu absolutistischen Formulierungen neigt, sollte man vielleicht genauer hinschauen und dies auch ansprechen. Ein guter Gesprächseinstieg ist beispielsweise „Ich habe in letzter Zeit bei dir eine Veränderung beobachtet. Wie geht es dir? Wie fühlst du dich? Ich würde gerne wissen, wie es dir geht und dich besser verstehen.“

Quellen

Über die AutorIn
Caroline Korneli

Redakteurin

Schlagworte Depression